Schottland mit Minicamper

Mein Bruder Phil und ich planten ursprünglich einen gemeinsamen Urlaub mit seinem Minicamper berli.pop im benachbarten Holland. Wir wollten keine lange Anreise, keinen großen Aufwand und die Kosten so gering wie möglich halten…

Eine Woche vor Antritt unserer Reise, in den letzten Zügen der Planung, sahen wir uns beide an und sprachen gleichzeitig aus, was wir dachten: Sollen wir nach Schottland fahren?

Abenteuerlust

Und so planten wir kurzerhand um, steckten grob unsere Ziele und alles andere würde sich spontan ergeben. Die Fährfahrt war das einzige, was wir im Vorfeld buchten.

Tipp: Wenn du die Fähre frühzeitig buchst und eine eher unkonventionelle Uhrzeit wählst, kannst du dir einige Kosten sparen. HIER kannst du eine Fähre buchen.

Die Ausrüstung inkl. Proviant war gepackt, der Citroen Berlingo namens „berli.pop“ Startklar und es konnte endlich losgehen. Unsere Vorfreude war nicht in Worte zu fassen.

Tag 1 – Wanderlust

Am Abend machten wir uns von Köln auf den Weg nach Dunkerque. Von dort setzten wir mit der Fähre über nach Dover (GB). Die Überfahrt war angenehm, es gab genügend Sitzplätze zum Entspannen oder Speisen und die Preise für Getränke und Snacks waren akzeptabel. Pünktlich um 02:15 Uhr dockten wir am Hafen von Dover an und bereiteten uns mental auf eine lange Autofahrt quer durch England vor. Reisen auf vier Rädern finde ich klasse, denn so bekommt man schöne Landschaften zu sehen. Das nächtliche Reisen ist jedoch anstrengend und kräftezehrend. Zumal sich ja die Fahrtrichtung auf links verlegt hatte. Und ja, auch wir verfuhren uns ein oder vielleicht zweimal. Große Verzweiflung durchströmte uns allerdings in London. So ein riesiges Straßennetz war uns bisher unbekannt, geschweige denn die Anzahl der Autobahnspuren und Kreisverkehre. Trotz alledem kamen wir überglücklich und voller Euphorie Mittags, nach gut 17 Stunden Anreise in Schottland (nahe des Galloway Forest Parks) an.

Freistehen in Schottland mit Campervan

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern erlaubt Schottland das Campen mit Zelt (!) in freier Natur ausdrücklich. Dennoch gibt es Regeln und Richtlinien, die du beim Wildcamping beachten solltest. Camper-Vans und Wohnmobile fallen jedoch nicht unter diese Regelung und dürfen auch nicht überall abgestellt werden. Meist wird das Übernachten im Auto aber trotzdem geduldet, dein Fahrzeug sollte jedoch auf harten Untergrund unweit der Straße (max. 14 Meter) geparkt werden. Hierfür gibt es jede Menge kostenlose Parkplätze oder Parkbuchten in Seitenstraßen oder in Waldgebieten, damit man hier für eine Nacht ausruhen kann.

Näheres erfährst du auf dieser Seite: https://www.visitscotland.com/de-de/accommodation/caravan-camping/wild-campin

Tag 2 – Hello Scotland

Zum Glück fanden wir schnell einen idealen Stellplatz auf einem Hügel umringt von Wiesen und Wäldern. Nach einer kurzen Verschnaufpause richteten wir unser Lager her, bauten das Zelt auf und funktionierten den Minicamper zum Bett um. Das Zelt diente als Aufbewahrungsort für Ausrüstung, Gepäck und Lebensmittel. Der Gaskocher zauberte uns eine schnelle Zwischenmahlzeit und einen Schlummertrunk (Tee) für ein kurzes Nickerchen. Erfrischt und aufgewärmt durchforsteten wir die nahe Umgebung. Wir befanden uns in den sogenannten schottischen Lowlands, wo es saftig grüne Wiesen, fruchtbaren Boden und hügelige, traumhaften Landschaften gab. Die Atmosphäre war gigantisch und aufregend. Als es dämmerte, gingen wir zurück zu unserem Lagerplatz. Wir aßen zu Abend, tranken einen Tee und machten es uns im Minicamper gemütlich. Frühzeitig gingen wir zu Bett, da wir von der Reise doch ziemlich geschafft waren.

Tag 3 – Road trippin´

Die erste Nacht im Camper war ultra gemütlich, komfortabel und erholsam. Zeitig standen wir auf und begannen den Tag mit einem ordentlichen Frühstück. Währenddessen überlegten wir, wo es als nächstes hingehen soll. Wir entschieden uns für einen Roadtrip nach Dumfries, anschließend durch das Naturgebiet Galloway und dann hoch zur Hafenstadt Ayr. In dem schnuckeligen Städtchen genossen wir einen leckeren Cappuccino in einem Café direkt am Strand, schlenderten in der City umher und kauften für unser Abendessen ein. Auf dem Rückweg suchten wir uns einen neuen Lagerplatz. Und wir fanden einen erstklassigen mitten in der wilden Natur mit einer wahnsinnigen Aussicht ringsherum. Nach dem Aufbau unseres Lagers, wurde der Grill angezündet. Zu den köstlichen Steaks gab es ein wohlschmeckendes, schottisches Lagerbier INNES & GUNS. Wir genossen unser Mahl und einen herrlichen Sonnenuntergang.

Tag 4 – Into the wild

Gute Regenbekleidung sollte immer mit im Gepäck sein! Der Vormittag war regnerisch, windig und kalt. Doch davon ließen wir uns natürlich nicht die Laune verderben, packten uns gut ein und machten eine Wanderung. Die Natur in Schottland ist einfach malerisch und verzauberte uns mal wieder völlig. Das einzige menschliche Wesen, was wir beim Umherwandern trafen, war ein Förster. Dieser fragte uns, ob alles in Ordnung sei und machte sich weiter auf seinen Weg. Zurück an unserem Lagerplatz, packten wir unsere 7-Sachen und suchten uns einen neue Bleibe. Da wir neues Grillgut benötigten, fuhren wir in den nächsten Ort und kauften ein. Übrigens: Die britische, weltweit vertretene Supermarktkette Tesco eignet sich hervorragend zum Einkaufen. Die überschaubaren Preise in Sachen Fleisch können durch den Vertrieb eigener, regionaler Produkte gewährleistet werden. Und die Qualität ist einsame spitze! Im Laufe des Tages wandelte sich das Wetter zum Guten und wir konnten bei Sonnenschein den Grill entfachen.

Tag 5 – We live to explore

Der Morgen bescherte uns fantastisches Wetterganz entspannt konnten wir unter blauem Himmel frühstücken. Dank des Gaskochers waren wir jederzeit in der Lage einen Kaffee oder Tee zu genießen. Heute erkundeten wir die sogenannten Lowlands. Ein absolutes Naturparadies aus märchenhaften Wäldern, Mooren, Seen und Bergen mit zahlreichen Wildgehegen. Stellenweise überdeckte Moos den gesamten Boden, mit ihnen Äste und Bruchstücke von Mauern. Absolut märchenhaft! Völlig überraschend landeten wir auf einem Privatgrundstück, welches von einem großen Anwesen geschmückt wurde. Eine Dame mittleren Alters kam auf uns zu und wir kamen ins Gespräch. Hier lebten sechs Familien in einer Gemeinschaft, weitab vom Schuss und jeder einzelne hatte seine Aufgabe. Die freundliche Dame führte uns in sämtliche Räumlichkeiten und zeigte uns das Grundstück. Ein großer Garten ermöglicht es ihnen als Selbstversorger zu agieren und Landwirtschaft zu betreiben. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus! Es wurde zum Hauptgesprächsthema auf unserem Heimweg. Zurück an unserem Lagerplatz grillten wir Würstchen und Speck, dazu Tomatensalat und Brot.

Tag 6 – Der Berg ruft

Nach dem Frühstück packten wir zusammen. Auf dem Weg zur Küste von Southerness, eine kleine Ortschaft in der schottischen Council Area Dumfries and Galloway, machten wir einen Zwischenstopp in Castle Douglas. Ein uriges, kleines Städtchen, was uns zum Verweilen einlud. Nach einem Snack und frischen Kaffee, besuchten wir den ein oder anderen Souvenir-Shop und machten uns dann weiter zum heutigen Ziel. Die letzte Nacht wollten wir auf einem Campingplatz nächtigen und buchten bei Lighthouse Leisure einen angenehmen Platz für zwei Personen einen PKW und ein Zelt für noch keine 30 Pfund. Außerdem war die Nutzung der Sanitären-Anlagen inklusive. YEAH – Eine heiße Dusche! 🙂 Die musste allerdings noch warten, denn wir beabsichtigten noch an diesem Nachmittag den nicht weit entfernten, achtgrößten kleinen Berg in Südschottland zu bezwingen.

Criffel – der 3249. höchste in Schottland

Der Berg namens Criffel ist nur 569 Meter hoch, aber seine bescheidene Höhe widerspricht seiner Bedeutung. Der Aufstieg ist kurz, aber steil. Zunächst führt ein Wanderweg durch die Forstwirtschaft, nach ungefähr der Hälfte, auf dem offenen Hügel wird es sumpfig und holprig. Die Belohnung ist ein atemberaubender Blick auf den Solway, seine Flussmündungen und dem englischen Lake District. Nach etlichen Fotoaufnahmen, machten wir es uns auf der Wiese gemütlich und genossen das Hier und Jetzt. Die Landschaft um uns herum war einzigartig. Die Hänge von Criffel weisen die Hochlandvegetation aus Heidekraut, Moorbaumwolle und Blaubeeren auf und werden von Lerchen bewohnt. Ein wirklich wundervoller Tag neigte sich dem Ende, als wir den Rückweg einschlugen. Gerade beim Abstieg kommt es aufgrund von Müdigkeit und Unachtsamkeit oft zu Unfällen, deshalb ist Konzentration hierbei äußerst wichtig. Zurück auf dem Campingplatz, genehmigten wir uns die heiß ersehnte Dusche und bereiteten anschließend unser Abendessen zu. Bei gutem Essen und Bier ließen wir den letzten Abend in Schottland ausklingen. Ein traumhaft klaren Sternenhimmel gab es on top.

Tag 7 – Bye Bye Scotland

Die schönsten Zeiten gehen leider immer viel zu schnell vorbei! Für die bevorstehende Fahrt, stärkten wir uns mit einem üppigen Frühstück. Aus Eiern, Speck und einer übrig gebliebenen Grillkartoffel vom Abend zuvor, zauberten wir auf dem Gaskocher ein köstliches Omelette. Dazu helles Weizenbrot mit vollmundigem Cheddarkäse. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg, da wir abends die Fähre in Dover kriegen mussten.

Daten & Fakten

Start Hinreise: Sonntag, ca. 18:00 Uhr / Ankunft Schottland: Montag, ca. 11:00 Uhr / Start Rückreise: Samstag, ca. 12:30 Uhr / Ankunft Köln: Sonntag, ca. 05:00 Uhr / Kilometer insgesamt mit PKW: ca. 2.400,00 km.

Kate

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